Magersucht

Magersucht ist mehr als nur ein Hilfeschrei

 

Lange Zeit beherrschte das Thema „Magersucht“ die Nachrichten. Den Stein des Anstoßes lieferten die Magermodels, die mit besorgniserregendem Aussehen über die nationalen und internationalen Laufstege flanieren. Dass dies nicht gesund sein kann, ist wohl jedem klar. Schlimmer ist jedoch die Erkenntnis, dass viele Kinder und Jugendliche ihre Idole nicht in den Eltern, sondern in berühmten und bekannten Gesichtern und Personen sehen. Der Nachahmungseffekt kann gerade in diesem Bereich schnell tödlich enden. Die Mädchen und Jungen wollen ihren Idolen in nichts nachstehen. Sie versuchen sich auf ein Gewicht herabzuhungern, das nicht gesund ist, nur um einem Schönheitsideal gerecht zu werden. Bei den Eltern sollten also bereits bei den ersten Anzeichen dieser Krankheit die Alarmglocken läuten. Es ist falsch zu denken, dass sich das mit dem Ende der Pubertät schon geben wird.

 

Erste Anzeichen für Magersucht sind häufiges zwanghaftes Erbrechen und die Nahrungsverweigerung. Die jungen Menschen sind sich oft überhaupt nicht dessen bewusst, was sie ihrem Körper damit antun. Sie nehmen ihm die Quelle der Energie, zehren die Reserven auf und richten somit dauerhafte Schäden an. Schäden, die sie unter Umständen auf ihrem weiteren Lebensweg begleiten könnten. Daher ist es wichtig, als Vertrauensperson oder Elternteil auf das Kind einzugehen und gegebenenfalls auch ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Neben der Nachahmung können jedoch auch psychische Dinge ein Grund für die Magersucht sein. Der Jugendliche fühlt sich den Anforderungen nicht gewachsen, meint den, an ihn gestellten Ansprüchen nicht gerecht zu werden und wehrt sich auf diesem Weg. Er hat vielleicht das Gefühl zu dick zu sein, fühlt sich ausgestoßen, kann sich nicht als das akzeptieren, was er ist – ein wundervoller, einmaliger Erdenbürger.

 

Wer jetzt versucht, mit Strafpredigten und übertriebenen Konsequenzen der Magersucht einen Riegel vorzuschieben, ist auf dem falschen Weg. Die Magersucht ist eine Krankheit, die der Betroffene selbst nicht unter Kontrolle bekommt. Diesen Menschen muss gezeigt werden, wie man sich gesund und richtig ernährt und mit Sport und Bewegung seinem Traumziel der Gewichtsreduzierung näher kommt. Von der Magersucht sind entgegen häufiger Annahmen nicht nur Mädchen betroffen. Auch mehr und mehr Jungen neigen dazu, ihrem Körper jegliche Nahrung vorzuenthalten.